Jeune Homme

Matthias Schoch (Sebastian Zollweger)

Es ist deine erste Rolle, und das gleich als Hauptdarsteller. Wie hast du dich auf die Aufgabe vorbereitet?
Noch vor den eigentlichen Dreharbeiten erhielt ich einige «Lektionen» bei Hanspeter Müller-Drossaart – er spielt im Film den Vater von Sebastian. Er hat mich auf sehr gute Weise durch die richtigen Fragen auf Wichtiges in der Schauspielerei aufmerksam gemacht: Wie man sich vorbereitet, wie man einen Charakter zusammenstellt, vor was man sich auf dem Set schützen muss etc. Schon früh haben wir auch mit Proben angefangen: Christoph hatte wichtige Szenen ausgesucht und ich konnte so mit allen Schauspielern schon einmal proben. Das hat mir ein gutes Gefühl dafür gegeben, was auf mich zukommt. Auf den Hinweis von Hanspeter habe ich auch viele Notizen darüber gemacht, was mir einfällt zu meiner Figur. Es gab auch noch ein paar Proben mit Christoph allein, weil es ja einige Quasi-Monologe gibt, wo sich Sebastian mit dem Baby oder seinem Spiegelbild unterhält. Auch in Sachen Kochen hab ich noch eine Schnellbleiche genossen: Christoph hat einen Freund der Koch ist, der mir auch einige Tricks gezeigt hat, denn es sollte geschickt aussehen, wenn Sebastian kocht.

Du bist aus 100 Kandidaten ausgewählt worden. Was war das für ein Gefühl, als die Zusage kam?
Ich hatte mich am letzten möglichen Tag angemeldet und während der ganzen Casting-Zeit gar nichts von dieser Masse gemerkt. Als dann die Zusage kam, habe ich mich nicht einfach nur gefreut. Mir war klar, dass da etwas auf mich zukommt... Die grosse Freude und der Stolz ist aber dann am letzten Drehtag gekommen, als ich es geschafft hatte.
Wie hat deine Filmrolle dein Leben verändert?
Alleine die Tatsache, durch Sebastian neue Seiten an mir zu entdecken, hat mich bestimmt verändert. Auch zwei Monate weg von zu Hause, weg vom altbekannten Schulalltag zu sein, dazu die französische Sprache... Dies alles veränderte mich bestimmt ähnlich, wie wenn man in meinem Alter einen Schüleraustausch macht. Es hat dann auch einiges gebraucht, um wieder ins Schülerleben einzusteigen...

...und wie haben die Lehrer reagiert?
Die haben sich erfreulicherweise für mich eingesetzt und mich unterstützt. Der Dreh hat ja während der Schulzeit stattgefunden. Das mit dem Nachlernen war dann schon eher schwierig. Einige Nachprüfungen habe ich dann auch ziemlich in den Sand gesetzt. Nur die Französisch-Note hat sich leicht verbessert! Die offizielle Sprache auf dem Set war ja schliesslich Französisch, da habe ich schon einiges mitgenommen.

Was hat dich fasziniert an dieser Rolle?
Beim ersten Durchlesen des Drehbuches hat mich die Geschichte ziemlich verwirrt. Es war dann tatsächlich die Rolle von Sebastian, die mich nicht mehr losliess und mir sagte, ich solle das Abenteuer «Jeune Homme» wagen. Sebastian ist sehr liebenswürdig, aber in ihm steckt viel mehr, als man auf den ersten Blick sieht. Er hat einen starken Willen und bewirkt dadurch in seinem Umfeld viele positive Veränderungen. Er merkt nicht genau, was er auslöst mit seinen Taten. Sebastian meint, er sei scheu, dabei weiss er genau, was er will. Aber er weiss nicht, dass er es weiss. Und das macht ihn faszinierend.

Welches waren für dich die schwierigeren Szenen im Film?
Bei den Szenen mit dem Baby war ich immer ziemlich nervös – wir haben mit Zwillingen gedreht – denn sie spielen ja nicht, sondern machen einfach, was sie gerade wollen. Mir war bewusst, dass ich auf sie eingehen musste, dass die ganze Szene an mir hing. Die Baby-Szenen brauchten viel Geduld. Schwierig war auch jener Moment, als Sebastian im Badezimmer vor dem Spiegel steht und am Tiefpunkt angelangt ist. Und natürlich alle Szenen, in denen ich irgendwie nackt bin...

Stichwort: Röstigraben auf dem Dreh. Ihr habt mit einer zweisprachigen Filmcrew gearbeitet.
Das hat sehr gut geklappt. Am Anfang hatte ich natürlich Mühe, alles zu verstehen. Aber es gab auch viele Bilingue, die übersetzen konnten. Eigentlich kommt es mir sowieso so vor, als gäbe es gar nicht so grosse Unterschiede zwischen den Deutschschweizern und den Romands. Und die gängigen Klischees haben sich auf dem Set jedenfalls überhaupt nicht bestätigt. Ganz im Gegenteil!

Es bleibt die Frage nach der Zukunft. Aupair? Schauspielschule? Ausbildung zum Spitzenkoch? Weltreise?
Zuerst einmal mache ich nächstes Jahr die Matur. Dann muss ich wohl ins Militär, bzw. in den Zivildienst. Und später würde mich eine Schauspielschule schon reizen, klar!



 
Jeune Homme
Matthias Schoch