Jeune Homme

Marcel Hoehn (Produzent)

Die Geschichte basiert auf einer Idee von Ihnen – wie kamen Sie darauf?
Auf SF DRS hat es ein Sendeformat namens «Voilà» gegeben – kurze Berichte über Alltägliches aus der Romandie. Darunter gab es einmal auch einen Beitrag über einen jungen Deutschschweizer, der als Au-pair in die Westschweiz ging. Und ich wusste sofort: Das gibt einen Spielfilm. Während der Drehbuchentwicklung haben wir diesen jungen Mann dann auch getroffen. Was wir damals nicht wussten, aber schon in unserem Buch erfunden hatten: Es hatte tatsächlich auch in seiner Gastfamilie akute Eheprobleme gegeben …

Wie ist die Zusammenarbeit mit Regisseur Christoph Schaub zustande gekommen?
Wir hatten zuvor schon zwei Projekte gemeinsam realisiert – den Spielfilm «Stille Liebe» (2001) und den Dokumentarfilm «Die Reisen des Santiago Calatrava» (1999). Ich habe ihn ganz einfach angerufen und die Idee hat ihm auf Anhieb gut gefallen. Ein Grundgedanke war auch, das Drehbuch von einer francophonen Frau schreiben zu lassen, die die Deutschschweiz gut kennt. So sind wir auf die Drehbuchautorin Maya Todeschini gestossen. Die letzte Version wurde dann von Elisabeth Diot, einer Französin, verfasst.

Wieso haben Sie die Geschichte in der Schweiz angelegt?
Ich lebe in der Schweiz und bin ein grosser Anhänger der «idée suisse», denn die Schweiz bedeutet primär Mehrsprachigkeit. In diesem Zusammenhang hat es mich auch immer bedrückt, dass Filmprodukt-ionen aus der Deutschschweiz seit vielen Jahren in der Westschweiz kein Publikum mehr gefunden haben. Mein Anliegen war es, den «Röstigraben» zu überlisten und eine Geschichte für die ganze Schweiz erfolgreich auf die Leinwand zu bringen. Wenn das gelingt, wird der Film auch die angestrebte internationale Auswertungschance haben. — Eine französische Firma betreut nun die World Sales von «Jeune Homme».

War es schwierig, Partner und Unterstützung für den Film zu finden?
Uns war von Anfang an klar, dass wir «Jeune Homme» mit einem eher kleinen Budget realisieren würden. Anfänglich hatten wir noch nach einem französischen Partner gesucht, was aber nicht rechtzeitig gelang. Nun ist es eine rein schweizerische Finanzierung – wobei der Film nicht ganz ausfinanziert werden konnte.

Was waren die schwierigsten Momente bei dieser Produktion?
Die Faszination und die Herausforderung bei dieser Produktion war die Mehrsprachigkeit, die Zusammenarbeit mit deutschschweizer und französischen Schauspielern. Insbesondere aber der Umstand, dass wir die Hauptrolle mit einem Laien zu besetzen hatten, was uns mit dem hervorragenden Gymnasiasten Matthias Schoch geglückt ist. Und nicht zu unterschätzen war die Arbeit mit einem 10-monatigen Baby.

In den letzten Monaten waren einige Schweizer Filme in den Kinos zu sehen. DIE SCHWEIZERMACHER, von Ihnen produziert, ist nach wie vor derjenige «nationale» Film, der mit Abstand am meisten Zuschauer in die Schweizer Kinos gelockt hat. Was sind Ihre Erwartungen bei JEUNE HOMME?
Man tendiert chronisch dazu, den Begriff «Schweiz» mit der Deutschschweiz gleichzusetzen... Deshalb ist es mir sehr wichtig, dass der Film auf beiden Seiten des «Röstigrabens» sein Publikum findet und als gesamtschweizerischer Film wahrgenommen wird.
 
Jeune Homme