JEUNE HOMME basiert auf einer Idee des Produzenten Marcel Hoehn.
Was interessierte Sie an dieser Geschichte?
Marcel Hoehn hat mich eines Tages angerufen und mir einen sehr kurzen Pitch gegeben: «Ein junger Mann von 18 Jahren geht als männliches Aupair in die Romandie und es soll eine Komödie werden». Diese Idee hat in mir sehr viele lustige, berührende und charmante Bilder ausgelöst. Mir wurde bewusst, dass diese Geschichte das Potential hat, über sehr existentielle Dinge zu erzählen: Erkunden der Liebe und Sexualität, Rollen der Geschlechter, Erwachsen werden, die Institution Familie und nicht zuletzt etwas über das Zusammenleben im selben Land mit mehreren Sprachen und Kulturen.
Sie haben am Drehbuch mitgeschrieben. Wie haben Sie recherchiert?
Wir haben im eigentlichen Sinn nur wenig recherchiert. Wir wollten unsere Fantasie benützen.
So arbeiteten wir vor allem an den Figuren, an der Dramaturgie und erarbeiteten die Situationskomik. Dabei war es uns sehr wichtig, dass nicht nur Sebastian als Hauptfigur am Ende des Films an einem anderen Ort steht, sondern alle Figuren. So konnten wir sicher sein, dass wirklich ein intensives Ensemble von Figuren entsteht, das auf eine spannende Art zusammen agiert.
Welche Art von Komödie haben Sie avisiert?
Primär war ich an einer Coming of Age-Geschichte interessiert: Wie findet man als junger Mensch seinen Platz in dieser komplizierten Welt? Wie erfährt man die erste Liebe, die ersten sexuellen Erfahrungen? Wie behauptet man sich gegen die Vorstellungen der Eltern? Alles Fragen, die existentiell sind. Die Form ist eine Komödie. Ich wollte nicht etwas Lautes, Schrilles machen, sondern ziehe den feinen Humor vor. Was ich an Filmen und übrigens auch am Leben mag ist, wenn sich berührende, traurige, lustige und komische Situationen abwechseln. Nur lachen ist langweilig, nur weinen ebenso.
Gibt es Ähnlichkeiten mit Ihnen als junger Mann?
Um ehrlich zu sein, nur eine, nämlich dass ich mich auch schwer tat mit dem Französisch! Aber sonst war ich ein ganz anderer Typ. Ich wäre nie und nimmer auf diese seltsame Idee gekommen, Aupair zu sein. Mich hat die Politik, der gesellschaftliche Widerstand interessiert. Ich habe in diesem Alter bereits in einer WG gelebt und ebenso zeitgeistig wie ungeschickt die freie Liebe gelebt. An der Figur Sebastians hat mich gerade interessiert, dass er nicht so ist. Ich wollte einen Jungen erschaffen, der zu Beginn ein braver und angepasster Junge ist, scheu und etwas verträumt. Er hat aber den Mut, zu dem zu stehen. Gleichzeitig aber soll man spüren, dass irgendetwas, irgendeine Bestimmtheit in ihm schlummert. Bei der Figur Sebastian habe ich das Aussergewöhnliche im Gewöhnlichen gesucht und nicht wie es heute angesagt ist, dass man nach Aussen ‘cool’ wirkt, aber dahinter sehr gewöhnlich und durchschnittlich ist. Ich habe schnell gemerkt, dass ich mich sowohl beim Schreiben wie beim Inszenieren sehr gut in diese Figur einleben konnte, auch wenn ich eine ganz andere Jugend hatte. Die Konflikte und Krisen von Sebastian sind universell.
Zum Cast des Films gehört auch ein Baby…
... es ist leicht vorstellbar, wie schwierig es ist, mit Babies zu drehen. Baby Mahaut kommt etwa in einem Drittel der Szenen vor. Was tun? Der erste Entscheid war: Wir müssen eineiige Zwillinge finden. Dann können wir sie austauschen, wenn das eine einen schlechten Tag hat, müde oder gar krank wird. Zudem braucht es sehr unkomplizierte und entspannte Eltern. Wir haben also vor allem einmal die Eltern “gecastet”. Mit Cloé und Noémie lagen wir goldrichtig. Die beiden Mädchen hatten die nötige Gelassenheit, Neugier und Angstlosigkeit. Wir lernten schnell ‚Tricks’ wie man die kleinen Menschlein inszeniert. Wir haben herausgefunden, wie und wann man Impulse setzt, um die Blicke zu führen, das Lachen oder auch das Weinen provoziert. Wir haben mit Puppen geprobt und mit dem Baby immer gleich gedreht.
Woran arbeiten Sie gerade?
Als nächstes gehe ich Ende November nach China, um einen Dokumentarfilm über die Projekte der Basler Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron zu beginnen. Es ist eine Langzeitbeobachtung ihrer Arbeiten in China. Im Mittelpunkt steht das Olympiastadion in Peking. Der Film wird Ende 2007 fertig sein. Im Bereich der Fiktion schwirren verschiedene Ideen in meinem Kopf herum. Ich will mir noch etwas Zeit lassen, in welche Richtung ich gehen will.

